Kennen Sie die drei Säulen der Liebe? Achtung, Vertrauen und Vertrautheit

von Gerlind Hartwig

17. November 2017

Hand auf‘s Herz: Wie steht es um die Säulen Ihrer eigenen Beziehung? Angenommen, der Grad an Achtung, Vertrauen und Vertrautheit sollte in einem Balkendiagramm dargestellt werden, wie sähe es aus? Sicher, kaum ein Paar spielt diese drei Beziehungsinstrumente gleichermaßen virtuos, auch wenn sie maßgeblich zur Stabilität einer Ehe beitragen. Falls auch Sie noch am Üben sind, sind Sie hier genau richtig.

1. ACHTUNG vor dem anderen kann man lernen

Machen Sie sich Gedanken darüber, wer Ihr Partner wirklich ist und wie viel Gutes in Ihm steckt. Indem Sie bewusst erkennen, welche guten Eigenschaften Ihr Gegenüber besitzt, wächst Achtung. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen. Was macht Ihren Partner als Person aus? Was leistet er? Schreiben Sie sich ruhig die Adjektive zu ihm mal auf. Sie werden staunen, welcher Schatz sich an Ihrer Seite befindet. Sich dies regelmäßig bewusst zu machen, erhält die Achtung vor dem anderen.

Achtung wächst auch, indem man ehrlich das Positive ausdrückt, das man beim anderen wahrnimmt. Komplimente in diesem Sinne zu machen bedeutet nicht: „Du hast ein schönes Kleid an.“ Sie sollten vielmehr das Wesen oder die Eigenschaften der Person betreffen, nicht die Sache. „Du siehst gut aus in diesem Kleid“ hat einen völlig anderen Effekt als das Kompliment zuvor. Natürlich ist es auch wichtig, Komplimente annehmen zu lernen, ohne sie zu schmälern.

Entschärfen Sie potenzielle Bomben, solange Sie verliebt sind

Zur Achtung gehört meiner Meinung nach auch eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe. Diese drückt sich auch in einer fairen Aufgabenteilung aus. Jedes Paar sollte möglichst vor der Hochzeit eine Lösung finden, wer wie viele Alltagspflichten übernimmt. Hauptsache ist, es geht gerecht zu.

Sind beide voll eingespannt in Familie und/oder Vollzeitjob, muss man schauen, dass jeder genügend Auszeiten hat. Für mich gehört zur Achtung auch eine klare Kommunikation. Ich möchte zum Beispiel nicht, dass mein Mann den Boden putzt. Dafür übernimmt er die Gartenarbeit. Wir haben solche Dinge geregelt, damit unser Alltag leichter wird.

Wenn er den Müll nicht runter bringt, sie dafür aber auf die Palme

„Ich bin davon ausgegangen, dass mein Partner von sich aus den Mülleimer leert!“ höre ich Frauen manchmal seufzen. Warum tut er es im Alltagsleben oft nicht? Weil es nicht von Anfang an klar kommuniziert wurde. Der andere kann keine Gedanken lesen, auch wenn etwas noch so naheliegend erscheinen mag. Deshalb ist es wichtig, Grundsätzliches so früh wie möglich zu klären: Eheschließung, Kinderwunsch, Lebensziele etc. Das ist nicht unromantisch. Es ist weise. Weil es tiefe Enttäuschungen nach dem verliebten Höhenflug vorbeugt.

2. VERTRAUEN kann wachsen

Vertrauen entsteht durch Taten. Ich kann erst Vertrauen entwickeln, wenn ich die Taten meines Partners erlebe. Natürlich gebe ich zu Beginn des Verliebtseins einen Vertrauensvorschuss. Doch wenn ich ein paar Monate mit meinem Partner zusammen bin, möchte ich Resultate sehen. Hat sich dieser Vertrauensvorschuss gelohnt und wird er von meinem Partner bestätigt?

Auch durch gemeinsame Erlebnisse wächst Vertrauen weiter. Nicht nur durch die leichten, schönen Erlebnisse, die wir miteinander teilen. Ich meine bewusst auch die Krisen oder Schicksalsschläge, die uns die Möglichkeit geben, den anderen tiefer kennenzulernen, mehr auf ihn einzugehen und Verständnis für ihn zu entwickeln.

Was, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?

Wenn das Vertrauen schon Risse bekommen hat, braucht es vor allem Zeit. Wahrscheinlich auch einiges an Kraft und Anstrengung, echte Reue und die Entscheidung, zu verzeihen. Die gute Nachricht ist, dass Vertrauen wieder wachsen kann, vor allem durch eine offene und ehrliche Kommunikation. Keinesfalls sollte man dem Partner hinterher spionieren. Dadurch macht man sich nur verrückt und kämpft gegen die Bilder des eigenen Kopfkinos an. Ein solches Verhalten macht beide Seiten unsicher, wodurch sich der Partner meist erst recht zurückzieht. Viel konstruktiver ist es, dass beide den anderen teilhaben lassen an ihren Gedanken, Wünschen und Gefühlen.

3. VERTRAUTHEIT entsteht durch Achtung und Vertrauen

Wenn zwei Menschen es wagen, sich gegenseitig tief kennenzulernen, bringt das Vertrautheit. Voraussetzung dafür ist aber immer Achtung und Vertrauen. Wenn sich eine Liebe auf dieser Ebene befindet, kann man sich ohne Worte verstehen. Dann weiß man teilweise schon, was der andere denkt und fühlt. Vertrautheit bedeutet auch, dass es Dinge gibt, die man nur mit diesem einen Partner erlebt und mit niemandem sonst teilt. In dieser Atmosphäre weiß man sich geschützt und geborgen.

Sich das Ja-Wort zu geben ist eine fabelhafte Grundlage für Vertrautheit. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass es Ihnen beiden gelingt, sich bedingungslos aufeinander einzulassen. Dadurch bleiben Sie einzigartig und wertvoll füreinander.

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